Zur AKTUELLEN Situation im FORUM KONKRETE KUNST ERFURT

Pressemittteilung – 26.07.2016

Der Föderverein freut sich übber die positive Bewertung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten über die bisherige Nutzung der Klosterkirche St. Peter und Paul durch das FORUM KONKRETE KUNST ERFURT. Mit Überraschung haben wir der Pressemitteilung entnommen, dass es keinen baulichen Anlass zur Schließung des FORUM KONKRETE KUNST in der Peterskirche gibt, so wie dies uns durch die Stadt mitgeteilt wurde. Auch gibt es offenbar kein mit der Stiftung abgestimmtes neues Nutzungskonzept. Im Gegenteil spricht man sich für das Beibehalten der bisherigen Nutzung auch für das Jahr 2017 aus – auch im Sinne der beständigen Öffnung des Baudenkmals für die Öffentlichkeit.

Die vom Kulturdirektor angesprochenen arbeitsschutzrechtlich bedenklichen Bedingungen sind seit langem bekannt und müssten letztlich auch für temporäre Ausstellungen wie auch vom Verein gefordert – verbessert werden. Einen beheizbaren Aufenthaltsraum gibt es seit Beginn an, alles andere ist mit wenig Aufwand und gutem Willen lösbar!

Die Aufsichtskräfte in der Peterskirche wurden von Anfang an über Fördermaßnahmen und anteilig über geplante Zuschüsse der Stadt finanziert. Jederzeit könnte die Peterskirche in den Vertrag der Sicherheitsfirma übernommen werden wie alle anderen Kultureinrichtungen der Stadt auch.

Der Kulturdirektor verweist darauf, dass die Sammlung Konkreter Kunst durch die Stadt nie geplant wurde. In der Tat wurde die Idee nicht von der Stadt entwickelt, aber man war offen und begeisterungsfähig für Neues! Anfang der 90-iger Jahre konnte nun endlich auch in Ostdeutschland im größeren Kontext gehandelt werden. Die Idee, die Künstler der Konkreten Kunst aus einem nunmehr geeinten Europa, aus Ost und West, in Erfurt zu versammeln, stammt von dem damaligen Kurator der Sammlung Professor Jürgen Blum-Kwiatkowski.

Dieser Gründungsgedankte vereint über einhundert Künstlerinnen und Künstler aus 15 Nationen auf dem Petersberg. Von Beginn an unterstützten das Dezernat Kultur der Stadt Erfurt, die Bauhütte Petersberg, das Landesamt für Denkmalspflege und das Ministerium für Forschung, Wissenschaft und Kultur das Engagement der Künstler. Erfurt bekam so eine Kunstsammlung von zum größten Teil namhaften, in internationalen Museen vertretenen Künstlern.

Durch die Unterstützung der Landesregierung kam es zu einer vertraglichen Einigung des Landes mit der Stadt über die Nutzung der Peterskirche für das FORUM KONKRETE KUNST ERFURT. Dieser Vertrag zum beidseitigen Vorteil wurde später von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übernommen.

Am 11. Dezember 1993 eröffnete der Oberbürgermeister der Stadt Erfurt, Herr Manfred Ruge, die Sammlung der Künstler in der Peterskirche. Herr Prof. Blum-Kwiatkowski wurde für seine Verdienste zum Entstehen des FORUM KONKRET KUNST mit dem Eintrag in das Goldenen Buch der Stadt Erfurt geehrt. Der Thüringer Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Herr Dr. Gerd Schuchardt, betonte in seinem Grußwort zum Gesamtkatalog des FORUMs, die außerordentliche Bereicherung der Kunstlandschaft durch die Gründung des FORUM KONKRETE KUNST ERFURT im Land Thüringen.

Das Konzept der ständigen Ausstellung war und ist es, dass die Exponate Leihgaben der Künstler an die Stadt sind, daher auch durch die Künstler nach eigenem Wunsch getauscht werden können. Als ‚Marktplatz‘, wie der Kulturdirektor, Herr T. Knoblich es ausdrückt, sollte es jedoch nie verstanden sein. Entgegen seiner Behauptung wurden jedoch immer wieder Werke ausgetauscht, ältere Arbeiten gegen neuere ersetzt. Ebenso kamen auch neue Künstler hinzu, auch in jüngster Zeit unter Leitun der jetzigen Kuratorin, Frau Susanne Knorr.

Dem Gedanken eines Forums folgte das Arbeitskonzept ganz speziell mit seinen jährlich stattfindenden Theoriekolloquien zu Entwicklungstendenzen und wechselseitigen Einflussnahmen der Konkreten Kunst. Als Referenten traten Kunsttheoretiker, Künstler, aber auch Naturwissenschaftler und Philosophen auf, was sowohl zu lebhaften und fruchtbaren Diskussionen führte als auch zu interessanten Kooperationen mit internationalen Museen und Veranstaltungen. Publiziert wurden die Ergebnisse der Kolloquien in einer 15-bändigen Schriftenreihe des FORUMs.

Vier bis sieben Ausstellungen im Jahr beleuchteten zusätzlich verschiedene Aspekte der internationalen Entwicklung dieser Kunstrichtung. So können wir sagen, dass das FORUM KONKRETE KUNST ein durchaus lebendiger Ort für die Kunstrezeption war und ist, wie auch aus den Eintragungen in den Gästebüchern und aus den Kommentaren der z.Zt. noch laufenden Petition hervorgeht.

Der Förderverein FORUM KONKRETE KUNST e.V. setzt auch weiterhin auf den sachlichen Dialog mit allen Beteiligten, mit dem Ziel, die Sammlung der Künstler, vor der drohenden Zerschlagung zu bewahren.

Erfurt, den 26. Juli 2016

Ralph Eck
1. Vorsitzende des Fördervereins

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Erfurt, 11. Mai 2016

Liebe Vereinsmitglieder, liebe Freunde und Künstler,


nachdem der Status des FORUM KONKRETE KUNST ERFURT im Jahr 2012 scheinbar abgesichert und anerkannt erschien, müssen wir uns heute leider mit einer Nachricht an Euch wenden, die überaus traurig ist – nein, die uns zornig macht oder was auch immer!
Bereits in unseren letzten Briefen deuteten wir an, dass für die weitere Existenz des FORUM Probleme entstanden sind, und wir diesbezüglich verschiedene Versuche unternommen haben, um klare Antworten von der Stadt zu erhalten. Zuletzt hatten wir einen Brief an den Oberbürgermeister – Herrn Andreas Bausewein – geschrieben. Konkreter Anlass dazu war, dass zwei Aufsichtskräfte in der Peterskirche in den Ruhestand gehen, eine Nachbesetzung nicht in Aussicht gestellt werden konnte und damit die Schließung des FORUM ab Oktober angekündigt wurde.
Seine Antwort ist erschütternd: „Ein Ersatz dieses Personals ist leider nicht möglich.“
Gleichzeitig kündigt er umfangreiche bauliche Veränderungen für eine vielseitigere Nutzung der Peterskirche an. Er schreibt: „In Abhängigkeit von der Bewilligung der notwendigen Landesfördermittel sind Baumaßnahmen in der Peterskirche geplant ... Im Ergebnis soll eine Mischnutzung erfolgen, die auch unterschiedliche temporäre Ausstellungen beinhaltet. Eine Musealisierung der Peterskirche war nie ein Ziel und soll auch nicht Ergebnis der Baumaßnahmen sein. Konkrete Kunst soll dennoch weiterhin Thema in dieser Stadt sein, wenn auch nicht in Form einer Dauerausstellung …“
Mit dieser Aussage steht Herr Bausewein im Widerspruch zu den Festlegungen im Kulturkonzept der Stadt, was Hoffnung geben könnte, aber doch sehr endgültig klingt.

Der Verweis, dass Ausstellungen der Konkreten Kunst weiterhin in der Stadt – z.B. in der Kunsthalle – gezeigt werden könnten, drückt keinerlei Anerkennung  der bisher geleisteten Arbeit aus, mit der Erfurt überregionale Ausstrahlung erlangte, und die sich die Stadt bisher sehr gerne gefallen ließ. Herr Bausewein äußert sich auch nicht darüber, wie die Stadt mit den zahlreichen Künstlern umgehen wird, die ihre Arbeiten als Leihgaben zur Verfügung gestellt und sich stets engagiert haben. Bitte stellt Eure Fragen – Eure Forderungen – äußert Euern Zorn! Falls Ihr gute Journalisten von wichtigen Zeitungen kennt, wäre es vielleicht hilfreich, diese nach Erfurt zu bitten und über die Probleme zu schreiben. Wir werden unsererseits hier in Erfurt alle Kräfte einsetzen.

Mit herzlichen Grüßen

Ralph Eck, Dr. Ulrike Hess, Sebastian Weinhold (Vereinsvorstand) und Heidi Bierwisch